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Von Marina Knopf, Elfie Mayer und Elsbeth Meyer
Familienplanungszentrum Hamburg, www.familienplanungszentrum.de
Rororo Sachbuch, 141 Seiten, ISBN 3-499-19953-X
(derzeit vergriffen), Download von www.mifegyne.com
Teil II: Persönliche Berichte
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Ein Jahr danach
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«Es war ein Wendepunkt in meinem Leben»
Christiane ist 26 Jahre alt, Studentin und lebt alleine. Ihr Schwangerschaftsabbruch liegt ein Jahr zurück. Trotz großer psychischer Labilität hatte der Abbruch keine negativen Folgen für sie.
«Vor gut einem Jahr war ich längere Zeit in stationärer psychiatrischer Behandlung. In der Klinik habe ich einen Mann kennengelernt, mit dem ich eine kurze Beziehung hatte. Ich war schon entlassen worden, und er besuchte mich zu Hause. Es war eine schöne Situation, und wir hatten uns nicht ausreichend geschützt, Da wurde ich halt schwanger. Als ich meine Regel nicht bekam, kam mir das schon komisch vor. Es war mir gar nicht bewußt, daß ich schwanger sein könnte. Ich hatte mit dem Mann auch gar nicht richtig geschlafen. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, daß da nichts passiert ist. Als der Test dann positiv war, habe ich es zuerst nicht glauben können. Es war alles so seltsam. Ich bin dann gleich ins Familienplanungszentrum gegangen. Die Entscheidung war im Grunde für mich gleich völlig klar. Ich wurde beraten. Man wollte mich nicht überreden, was ich sehr positiv fand. Meine Entscheidung wurde akzeptiert. Ich weiß, wie schlecht ich mich gefühlt hätte, wenn man versucht hätte, mich zu überreden.
Ich wußte, daß ich noch nicht stabil genug war, um ein Kind zu bekommen, um Mutter zu sein. Ich wußte, daß die Beziehung zudem Mann nicht von Dauer sein würde, daß da auch nicht viel Unterstützung gewesen wäre. Außerdem hatte ich auch vor, mein Studium wiederaufzunehmen. Ich hatte durch den Klinikaufenthalt drei Semester nicht studiert. Der Zeitpunkt der Schwangerschaft war also denkbar ungünstig. Ich glaube, daß die psychische Behandlung auch damit zu tun hatte, daß ich in diese Situation gekommen war. Vielleicht wollte ich wissen, ob ich überhaupt schwanger werden kann. Oder ich wollte damit etwas über mein Frausein herausfinden. Es ging nicht darum, daß ich plötzlich ein Kind haben wollte. Da spielten ganz viele unbewußte Sachen eine Rolle. Ich habe mich dann intensiv mit der Mutterrolle auseinandergesetzt. Ich fand es positiv, diese Auseinandersetzung zu haben. Ich fand es schön zu wissen, daß ich schwanger werden kann, daß ich Mutter werden kann. Ich habe mich gefragt, was würde es heißen, wenn ich Mutter werden würde? Wie würde ich überhaupt mit einem Kind umgehen? Also das fand ich auch im nachhinein recht positiv. Es hat aber nichts daran geändert, daß ich das Kind nicht wollte. Mein damaliger Freund ist jemand, der nur schwer Verantwortung übernehmen kann. Der war eigentlich mehr mit seinen eigenen Dingen beschäftigt. Wir haben zwar geredet, aber im Grunde war ich allein. Ich habe viel mit einer Freundin darüber geredet. In meinem persönlichen Umfeld gab es keine negativen Reaktionen. Von daher war es für mich unproblematisch. Ich habe es vor niemandem verheimlicht. Meine Mutter weiß es auch. Die hat auch einen Abbruch hinter sich. Vor dem Schwangerschaftsabbruch hatte ich die Befürchtung, daß ich vielleicht danach Depressionen bekomme. Man hört ja soviel davon. Meine psychische Lage war nicht allzu stabil. Ich habe hinterher bemerkt, daß es einfach nicht zutraf. Es istnicht zwangsläufig so. Vor dem Schwangerschaftsabbruch war ich aufgeregt. Aber ich hatte das Gefühl, es ist der richtige Ort, den Eingriff machen zu lassen. Ich bin morgens allein ins Familienplanungszentrum gegangen. Das war auch das einzige, was für mich schwer war. Beim Abbruch hatte ich Schmerzen. Das hatte ich nicht erwartet. Ich möchte das nicht unbedingt noch einmal erleben. Ich fand es sehr gut, daß eine Krankenschwester bei mir war, die ein bißchen mit mir geredet hat. Ich fand es dann sehr schön, daß ich nach dem Abbruch betreut und so ein bißchen aufgefangen wurde. Die anderen, die an dem Tag einen Abbruch hatten, waren alle in Begleitung. Ich habe mich da sehr allein gefühlt, besonders weil es doch so ein bedeutsames Erlebnis war. Das war für mich ein Signal. Es war bis dahin so typisch für mich, daß ich alles allein machen mußte. Es war gerade dieses Erlebnis, wodurch etwas in Bewegung gekommen ist. Mir ist in der Situation sehr bewußt geworden, daß ich wieder einmal niemanden hatte oder niemanden bitten wollte oder konnte, der mich begleitet. Ich merkte einfach, solche Sachen will ich nicht mehr alleine durchziehen. Ich war zu der Zeit in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung. An diesem Thema habe ich in der Folgezeit intensiv gearbeitet. In den Tagen nach dem Eingriff habe ich mir Ruhe gegönnt und mich auch gut behandelt. Ich lebe alleine und habe mich selbst versorgt. Ich hatte keinerlei Komplikationen. Aber es wäre aus meiner heutigen Sicht schöner gewesen, wenn jemand bei mir gewesen wäre. Ich hatte telefonische Unterstützung von meiner Freundin. So hat wenigstens jemand direkt mit mir geredet. Was mich die Tage danach sehr beschäftigt hat, war, daß meine Mutter mich nicht wollte. Ich war durch meine Schwangerschaft in einer ähnlichen Situation wie meine Mutter damals. Mir wurde klar, daß ich eine andere Konsequenz als meine Mutter gezogen hatte. Ich halte es für die verantwortlichere Entscheidung. Meine Mutter hat mich bekommen, und das habe ich als sehr ambivalent empfunden. So ungeliebt zu sein, das war sehr problematisch für mich. Ich bin letztlich aus diesem Grund in psychotherapeutische Behandlung gekommen. An solche Dinge habe ich in dieser Zeit verstärkt gedacht. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, ein Kind wirklich so gut zu erziehen, wie ich es mir wünsche. Gerade durch meine eigene Erfahrung, nicht erwünscht zu sein, war ich bestärkt in meiner Entscheidung. Es ist richtiger, ein Kind nur dann zu bekommen, wenn man es wirklich möchte.
Ich habe früher sehr wenig gesorgt, daß es mir gutgeht. Dazu gehört ja auch, mich vor einer Schwangerschaft zu schützen. Ich habe früher jahrelang die Pille genommen. Nach dem Abbruch war mir klar, daß ich das nicht mehr will. Ich achte jetzt mehr darauf, ob ich überhaupt mit einem Mann schlafen mag. Ich lasse mich nicht mehr so leicht von einem Mann bedrängen. Für mich sind es Schritte in die richtige Richtung. Wenn die Situation und die Beziehung irgendwann danach ist, möchte ich auch ein Kind haben. Ich war damals in vielen Bereichen im Umbruch. Der Schwangerschaftsabbruch hat bis heute keine negativen Folgen für mich gebracht. Es war eine ganz bewußte Entscheidung, die ich heute genauso wieder treffen würde. Was mir auf dem Herzen liegt und was ich sehr schlimm finde, ist, daß soviel Irrtümer über psychische Folgen verbreitet sind. Daß nicht gefragt wird, haben mögliche Folgen wirklich etwas mit dem Abbruch zu tun oder nicht viel mehr mit der Situation, in der die Frau lebt. Daß sie vielleicht allein ist oder so. Wenn eine Frau beim Abbruch ganz schlecht behandelt wird, geht es ihr danach sicher schlecht. Es ärgert mich, daß da soviel vermischt wird. »
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Inhaltsverzeichnis
Einführung
Das Familienplanungszentrum
Die Ergebnisse anderer Studien über psychische Folgen nach Schwangerschaftsabbruch
Zum Aufbau der Untersuchung
Danksagung
Teil I: Die Ergebnisse der Studie
Teil II: Persönliche Berichte
Chronik des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland
Die gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland
Rat und Hilfe
Schwangerschaftsabbrüche in Familienplanungzentren
Literatur
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