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Von Marina Knopf, Elfie Mayer und Elsbeth Meyer
Familienplanungszentrum Hamburg, www.familienplanungszentrum.de
Rororo Sachbuch, 141 Seiten, ISBN 3-499-19953-X
(derzeit vergriffen), Download von www.mifegyne.com
Teil II: Persönliche Berichte
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Wenige Wochen nach dem Schwangerschaftsabbruch
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«Ich habe mit niemandem darüber gesprochen»
Elke ist 34 Jahre alt, Krankenschwester und verheiratet. Sie hat eine siebenjährige Tochter. Ihr Schwangerschaftsabbruch war vor einem Monat. Sie ist noch sehr traurig.
« Ich habe sehr früh das Gefühl gehabt, schwanger zu sei. Mir war es schon klar, bevor ich den Test gemacht habe. Wie bei meiner ersten Schwangerschaft hatte ich schon vorher ein Spannungsgefühl in der Brust. Für mich war das recht beunruhigend. Ich habe meinem Mann zunächst nichts erzählt und habe für mich überlegt, was ich machen soll. Wir sind finanziell fest eingebunden, weil wir Wohnungseigentum erworben haben, so daß wir auch auf mein Einkommen angewiesen sind. Nach der Geburt meiner Tochter bin ich vier Jahre zu Hause geblieben. Ich fand das schon richtig, aber mir ist auch die Decke auf den Kopf gefallen. Die Tätigkeit als Hausfrau fand ich unbefriedigend. Es ist einerseits ganz schön, aber auf Dauer nicht das, was ich mir wünsche. Ich überlegte, was ich tun kann, wenn ich das Kind bekomme, um die finanzielle Seite abzusichern. Da hatte ich nicht so viele Ideen. Ich hätte gerne noch ein Kind gehabt, aber mein Mann ist um einiges älter und hat schon ein Kind aus erster Ehe, und ich wußte, daß er auf keinen Fall ein weiteres wollte. Ich habe dann erst einmal mit ihm gesprochen. Er war völlig überrascht und nicht begeistert, Er hat dann aber gesagt, letztlich müßte ich das entscheiden. Da habe ich es entschieden. Im Grunde habe ich vorher schon dazu tendiert. Ich habe das Ganze dann forciert, indem ich mich trotz des Verdachtes der Schwangerschaft habe röntgen lassen. Vielleicht auch, um mir dadurch den Rückweg zu verbauen. Was besonders dazu beigetragen hat, daß ich mich für die Abtreibung entschieden habe, war der Satz meines Mannes: "Was du entscheidest, ich mach das mit." Ich habe die Befürchtung gehabt, daß ich das irgendwann präsentiert bekomme oder daß das Kind das zu spüren bekommt, wenn es schiefgeht und wir es finanziell nicht schaffen. Er hätte mir später vielleicht die Vorhaltung gemacht: Du hast es doch so gewollt. Wenn er es auch nicht gesagt hat, aber es stand so im Raum. Es hatte die Beziehung massiv gestört, wenn ich darauf bestanden hätte, das Kind auszutragen. Es wäre auf jeden Fall sehr schwierig geworden.
Ich weiß nicht, ob wir das hingekriegt hätten, unabhängig davon, ob ich es befriedigend gefunden hätte, zu Hause zu bleiben. Ich hätte mein Kind auf keinen Fall in die Krippe gegeben, ganz abgesehen davon, daß es sowieso kaum Plätze gibt. Dann habe ich angefangen, mit allen möglichen Beratungsstellen, die ich im Telefonbuch gefunden habe, zu telefonieren. Ich bin am nächsten Tag gleich bei Pro Familia gewesen. In der Beratung bin ich gefragt worden, warum ich einen Abbruch will. Ich wollte das nicht erklären. Man hat mir dann gesagt, ich brauche es nicht. Das fand ich wohltuend. Wenn ich es für mich rekapituliere, erscheinen mir die Gründe nicht befriedigend. Ich hatte dann auch die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen
Ich habe fast drei Wochen für die Entscheidung gebraucht. Es war eine schwere Entscheidung; denn eine Abtreibung ist etwas, was ich für mich nicht in Ordnung finde, was ich mir nicht habe vorstellen können.
Ich habe mit niemandem darüber gesprochen. Zuerst hatte ich überlegt, mich mit einer Freundin darüber zu unterhalten. Weil ich denke, daß ich mit einer Frau eher darüber reden oder Verständnis erwarten kann. Aber kurz vorher hatte sie mir Dinge von jemandem erzählt, die sie nicht hätte erzählen dürfen. Ich glaube, so ein Gespräch hätte nichts an der Entscheidung geändert, aber laut nachzudenken, jemanden zu haben der zuhört und nachfragt, das wäre wohltuend gewesen. Dieser Zwang, es geheimzuhalten, war etwas, was mir nicht gut getan hat. Der Standpunkt von meinem Mann war mir klar. Bei ihm hätte ich das Gefühl gehabt, daß er das Ganze von seinem festen Standpunkt aus sieht. Als Mann kann er nicht nachvollziehen, was körperlich passiert. Ich wußte genau, wenn ich die Schwangerschaft nicht anspreche, wird er es auch nicht tun. Ich glaube, er war ganz froh, daß ich es nicht ansprach. Ich hatte auch wenig Lust dazu. Ich bin in der Klinik tätig, und wenn solche Themen auftauchen, dann werden die bis zum letzten durchgehechelt. Dem hätte ich mich nicht gewachsen gefühlt. Ich hätte sehr viel Widerspruch und Mißfallen erfahren. Ich habe mehrere Kolleginnen, die unbedingt schwanger werden wollen. Bei denen klappt es nicht. In dieser Atmosphäre ist es nicht das richtige, wenn eine schwanger wird und das wegmacht und dann auch noch darüber spricht. Da wäre ich schon auf Ablehnung gestoßen, zumal ich es selber nicht hundertprozentig vertreten kann. Ich fand es sehr anstrengend, daß ich mit nie-mandem so richtig darüber gesprochen habe.
Vor dem Eingriff selber hatte ich keine Angst. Ich fand es gut, zu wissen, daß man jederzeit anrufen kann und sagen kann: Ich will nicht mehr. Das war ein gutes Gefühl. Aber ich habe das nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Den Eingriff selber fand ich nicht beunruhigend, weil der Vorgang mir vorher klar war. Es hat kurz weh getan, das war aber kein Problem.
Während des Eingriffs habe ich die Krankenschwester als tröstlich und hilfreich empfunden. Sie hat erklärt, was gerade passiert und zwischendurch den Bauch massiert. Ich fing dann an, ein bißchen zu weinen. Da hatte ich den Eindruck, daß sie das mitempfinden kann.
Mir war es auch ganz angenehm, hinterher erst einmal ein paar Minuten allein zu sein. Ich war überrascht, daß ich recht gelassen, war. Den Abbruch fand ich einfach traurig. Das finde ich jetzt auch noch traurig.
Mein Mann ist an dem Tag zuerst zur Arbeit gegangen und hat mich dann abgeholt. Das war für mich okay. Vom Körperlichen her war ich angenehm enttäuscht, wie gut es mir gegangen ist. Das war wirklich sehr harmlos. Ich hatte es mir unangenehmer vorgestellt. Aber meine Gedanken und Gefühle dazu verdränge ich doch ziemlich. Im Mo-ment habe ich viel zu tun und schiebe es beiseite. Im Moment will ich die Trauer wohl nicht zulassen. Aber ich kenne mich aus anderen Situationen, in denen es um Trauer oder Trennung ging. Da habe ich es ähnlich gehalten. Es kommt auf jeden Fall. Meinem Mann gegenüber empfinde ich Groll, und ich habe einen inneren Vorwurf, weil er sich da drückt. Er sagt: Mach, was du meinst, und damit ist das Thema für ihn abgeschlossen. Ich hätte mir gewünscht, daß mein Mann sich mehr interessiert, mehr nachfragt. Aber ich denke, daß er es nicht tun wird, solange ich es nicht anspreche. Ich habe schon darüber nachgedacht, verstärkt zu verhüten. Ich denke, das kommt durch den Eindruck der Situation; denn die Alternativen, die ich kenne, würde ich letztlich nicht wirklich wollen. Ich habe vor Jahren mal die Pille genommen, das wollte ich nicht mehr. Dann habe ich lange Zeit mit Spirale verhütet, dadurch hatte ich vermehrt Unterleibsentzündungen. Deshalb wollte ich das dann nicht mehr. Ich habe mich dann darauf verlassen, daß ich einen sehr regelmäßigen Zyklus habe. Ich wüßte gar nicht, was ich jetzt ändern sollte. Mein Mann hat gesagt, daß er bereit wäre, sich sterilisieren zulassen. Das ist etwas, was ich nicht will. Ich möchte mir ein Hintertürchen offenhalten. Ich glaube nicht, daß die Welt untergeht, wenn ich kein zweites Kind bekomme. Ein bißchen Zeit habe ich noch. Wenn es dann nicht so ist, werde ich es auch akzeptieren können.
Unser erstes Kind war erwünscht, aber nicht geplant. Ich war sehr überrascht, als ich schwanger wurde. Ich habe mich auch gleich gefreut. Mein Mann sagte zunächst: "Das kann doch gar nicht sein. Wann soll das denn passiert sein." Darüber war ich richtig gekränkt. Dann ist er aber gleich los und hat es überall ganz begeistert erzählt. Da war die Entscheidung im Grunde ganz einfach. Die Frage der Abtreibung hat sich nicht gestellt, selbst wenn mein Mann gesagt hätte, er will es nicht. Ich hätte es trotzdem bekommen.
Ich fühle mich nicht besonders gut. Ich habe ein Gefühl von Verantwortungslosigkeit. Wenn ich nicht schwanger werden möchte, muß ich auch etwas dafür tun. Andererseits denke ich, ich habe ja etwas getan. Ein Schwangerschaftsabbruch ist etwas, was ich nie erleben wollte. Vom Verstand her stimmt es so. Vom Gefühl her ist es anders.»
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Inhaltsverzeichnis
Einführung
Das Familienplanungszentrum
Die Ergebnisse anderer Studien über psychische Folgen nach Schwangerschaftsabbruch
Zum Aufbau der Untersuchung
Danksagung
Teil I: Die Ergebnisse der Studie
Teil II: Persönliche Berichte
Chronik des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland
Die gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland
Rat und Hilfe
Schwangerschaftsabbrüche in Familienplanungzentren
Literatur
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