Traurig und befreit zugleich

Von Marina Knopf, Elfie Mayer und Elsbeth Meyer
Familienplanungszentrum Hamburg, www.familienplanungszentrum.de
Rororo Sachbuch, 141 Seiten, ISBN 3-499-19953-X
(derzeit vergriffen), Download von www.mifegyne.com

Teil I: Die Ergebnisse der Studie

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Die Folgen
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Kinderwunsch und Kinderkrieg
Für alle Frauen bedeutet eine Schwangerschaft, sei sie gewollt oder nicht, eine Auseinandersetzung mit der eigenen Fruchtbarkeit und den Lebensperspektiven. Dieses kann die bewußte Entscheidung für ein Leben ohne eigene Kinder bedeuten. Etwa ein Drittel der von uns Befragten sagte, daß sie durch die ungewollte Schwangerschaft erstmalig den Wunsch nach einem Kind gespürt haben.
So sagte eine Frau, die inzwischen Mutter eines dreijährigen Kindes ist, sie habe im Zusammenhang mit ihrem damaligen Schwangerschaftsabbruch einen Blick für Kinder bekommen und sich gefreut, wenn eine Bekannte Mutter geworden sei. Immer habe sie diese Kinder anfassen, hochheben oder auf sie aufpassen wollen.
Eine andere hatte insgesamt drei Abbrüche, zwei vor mehreren Jahren und den letzten ein Jahr vor dem Interview. Das letzte Mal habe sie sich eigentlich vorher ein Kind gewünscht. Als aber die Schwangerschaft festgestellt wurde, sei sie zu ihrem eigenen Erstaunen gar nicht erfreut, sondern nur erschrocken gewesen. Entgegen ihrer Erwartung habe sie Angst bekommen, daß ihr eigenes Leben jetzt aufhöre. Nach einem schwierigen Entscheidungsprozeß habe sie sich für den Abbruch entschieden. Geholfen habe ihr das Verständnis ihres Partners und einer Freundin, die sie dennoch akzeptiert hätten. Sie habe verstanden, daß sie nicht schlecht sei, wenn sie diese Schwangerschaft nicht austragen könne. Inzwischen habe sie begonnen, ihr Leben besser in die Hand zu nehmen. Sie hoffe jetzt, eine nächste Schwangerschaft austragen zu können.
Für ältere Frauen kann die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch auch bedeuten, sich damit auseinanderzusetzen, endgültig kinderlos zu bleiben. Eine vierzigjährige Frau, die vor zehn Jahren einen Abbruch hatte, beschrieb, wie sie in den letzten drei Jahren noch einmal in Gedanken mit der damaligen Schwangerschaft beschäftigt gewesen sei. Sie denke heute, daß die Entscheidung für ein Leben ohne eigene Kinder für sie richtig war.
Mehrere der Frauen, die nach dem Schwangerschaftsabbruch Mütter geworden waren, berichteten, daß die vorangegangene ungewollte und abgebrochene Schwangerschaft Einfluß auf ihre Entscheidung für das Kind gehabt habe. Eine Frau war ein Jahr nach dem Eingriff, zum Zeitpunkt des Interviews, hoch schwanger. Auch diese zweite Schwangerschaft war nicht geplant gewesen, sondern durch ein Versagen des Verhütungsmittels zustande gekommen. Sie glaubte, der Schwangerschaftsabbruch sei notwendig für ihre innere Auseinandersetzung mit der Frage gewesen, ob sie ein Kind wolle oder nicht. Nur so habe sie sich entscheiden können, die zweite Schwangerschaft auszutragen.
Eine andere Frau, die ein vierjähriges Kind hat, hatte vorher im Alter von 16 und 19 Jahren zwei Schwangerschaftsabbrüche. Beim ersten sei es keine Frage gewesen, da sie viel zu jung war, beim zweiten habe sie sich zuerst gefreut, dann aber verstanden, daß ihre Lebenssituation für ein Kind sehr ungünstig sei. Als sie ungeplant das dritte Mal schwanger wurde, sei ihr durch die beiden früheren Abbrüche sehr klar gewesen, daß sie die Entscheidung treffen könne und dürfe. Aus der ungeplanten Schwangerschaft sei dann ein Wunschkind geworden.
Die Mütter, die an unserer Befragung teilnahmen, wurden gefragt, auf welche Weise im Vergleich zu der Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch, die Entscheidungen für die Kinder zustande gekommen waren. Der größte Teil berichtete von Wunschschwangerschaften. Seltener sagten sie, es sei einfach passiert. Einige fanden diese Entscheidung genauso schwierig, wie die zum Schwangerschaftsabbruch. So sagte eine Frau, sie bereue ihre Entscheidung zum Austragen der Schwangerschaft nicht, könne aber bis heute nicht sagen, was damals den Ausschlag gegeben hätte. Es sei, wie auch bei ihrem Schwangerschaftsabbruch, ein wochenlanges Hin und Her gewesen. Eine Mutter von zwei Kindern, die nach der Geburt der Kinder einen Abbruch hatte, erzählte, bei jeder Schwangerschaft sei ausführlich diskutiert und nach der be-sten Lösung gesucht worden. Sie ist mit allen Entscheidungen zufrieden.
Jede ausgetragene und sogar jede gewünschte Schwangerschaft ist für die Frau von mehr oder weniger ausgeprägten und bewußten Ambivalenzen begleitet. Das ist gesellschaftlich wenig akzeptiert. Verbreitet ist allein das Bild der strahlenden werdenden Mutter, für die es nur Freude, aber keine Zweifel gibt. Wenn wir uns aber vergegenwärtigen, auf welch grundlegende Weise sich meistens das gesamte Leben verändert, sind Ambivalenzen leicht nachvollziehbar. Dies gilt für geplante und gewünschte Schwangerschaften, aber sicher noch stärker für ungeplante und zunächst ungewollte Schwangerschaften, die dann ausgetragen werden.
Eine ungeplante Schwangerschaft, die durch einen Abbruch beendet wird, kann gleichzeitig eine innere Annäherung an den Wunsch nach einem Kind mit sich bringen und wird insofern von der Frau als positive Entwicklung erlebt. Nicht nur von den befragten Frauen wissen wir von dieser Annäherung an die Mutterrolle, sondern auch viele Beratungsgespräche im Familienplanungszentrum zeigten uns, daß solch ein Prozeß keine Seltenheit ist. Insofern können durch Abbruch beendete Schwangerschaften manchmal so etwas wie ungeplante Probeschwangerschaften sein.




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Inhaltsverzeichnis

Einführung

Das Familienplanungszentrum

Die Ergebnisse anderer Studien über psychische Folgen nach Schwangerschaftsabbruch

Zum Aufbau der Untersuchung

Danksagung

Teil I: Die Ergebnisse der Studie

Teil II: Persönliche Berichte

Chronik des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland
Die gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland
Rat und Hilfe
Schwangerschaftsabbrüche in Familienplanungzentren
Literatur